Heizkurve
Die Heizkurve ist eine automatische Regelungsfunktion, die das Verhältnis zwischen der aktuell gemessenen Außentemperatur und der benötigten Vorlauftemperatur der Heizung festlegt. Sie steuert, wie warm das Heizwasser sein muss, damit die Räume bei unterschiedlichen Außentemperaturen konstant beheizt werden.
Zudem sorgt sie dafür, dass die Wärmepumpe bei steigenden Außentemperaturen die Vorlauftemperatur automatisch senkt und bei sinkenden Außentemperaturen entsprechend erhöht - immer so viel, wie das Gebäude gerade benötigt.
Die Heizkurve kurz erklärt
- Was: Regelkurve, die Außentemperatur mit Heizwassertemperatur verknüpft
- Wozu: Passt Vorlauftemperatur automatisch an Wetter an, spart Energie bei Wärmepumpen
- Zwei Schlüsselfaktoren
- Neigung (Steilheit): 0,3–1,2 je nach Heizkörper/Fußboden
- Niveau (Verschiebung): Anpassung an Dämmung
- Messwerkzeug: Außentemperaturfühler an Nordfassade
- Optimal für Wärmepumpe: Niedrige Vorläufe (35–55 °C), max. Effizienz (JAZ >3)
- Häufiger Fehler: Zu hoch eingestellt – +5 °C Vorlauf = 10–15% Mehrkosten
Warum ist die Heizkurve für die Wärmepumpe so wichtig?
Bei Wärmepumpen hat die Heizkurve eine zentrale Bedeutung für die Wirtschaftlichkeit des Betriebs. Anders als bei Gas- oder Ölheizungen wirkt sich hier jedes Grad zu viel bei der Vorlauftemperatur direkt auf die Effizienz aus. Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto weniger Strom benötigt die Wärmepumpe, um die gleiche Wärmemenge zu erzeugen.
Die Heizkurve arbeitet also vorausschauend. Sie reagiert nicht erst, wenn die Raumtemperatur bereits abgesunken ist, sondern passt die Vorlauftemperatur kontinuierlich an die sich ändernden Außenbedingungen an. Dafür misst ein Außentemperaturfühler, der meist an der Fassade montiert ist, ständig die Temperatur draußen und übermittelt die Daten an die Heizungssteuerung. Diese berechnet dann anhand der eingestellten Heizkurve, welche Vorlauftemperatur gerade nötig ist.
Die zwei zentralen Einstellungen: Neigung und Niveau
Die Heizkurve wird über zwei Hauptparameter gesteuert: die Neigung und das Niveau.
Die Neigung
Die Neigung – auch Steilheit genannt – bestimmt, wie stark die Vorlauftemperatur steigt, wenn es draußen kälter wird. Eine Neigung von 1,0 bedeutet: Sinkt die Außentemperatur um ein Grad, steigt die Vorlauftemperatur ebenfalls um ein Grad. Bei einer Neigung von 0,5 würde sie nur um ein halbes Grad steigen, bei 1,5 um eineinhalb Grad.
Die Neigung hängt vor allem davon ab, welche Art von Heizflächen verbaut ist. Fußbodenheizungen kommen mit niedrigen Vorlauftemperaturen aus und benötigen deshalb flachere Heizkurven mit Werten zwischen 0,3 und 0,6. Heizkörper geben Wärme über eine kleinere Fläche ab und brauchen höhere Temperaturen – hier liegen die Werte meist zwischen 0,8 und 1,2
Das Niveau
Das Niveau – oft auch Parallelverschiebung oder Fußpunkt genannt – verschiebt die gesamte Heizkurve gleichmäßig nach oben oder unten. Ist es im Haus grundsätzlich zu kalt, egal wie kalt oder warm es draußen ist, sollte das Niveau angehoben werden. Ist es durchgehend zu warm, wird es abgesenkt.
Das Niveau wird vom Dämmzustand des Gebäudes beeinflusst. Gut gedämmte Häuser verlieren weniger Wärme und kommen mit einem niedrigeren Niveau aus.
Wie wird die richtige Einstellung gefunden?
Es gibt keine Formel, mit der sich die optimale Heizkurve einfach berechnen lässt. Jedes Gebäude reagiert anders auf Außentemperaturen, abhängig von Dämmung, Größe der Fenster, Ausrichtung zur Sonne und Art der Heizflächen. Deshalb erfolgt die Einstellung über ein schrittweises Vorgehen, bei dem die Parameter verändert und die Auswirkungen beobachtet werden.
Während der Einstellphase sollten alle Thermostate an den Heizkörpern vollständig geöffnet bleiben, damit sie das Ergebnis nicht verfälschen. Wichtig ist auch, dass die Außentemperatur unter fünf Grad liegt – nur dann sind die Wärmeverluste über die Gebäudehülle groß genug, um verlässliche Rückschlüsse zu ziehen.
ⓘ Nach jeder Änderung sollte man mindestens einen Tag warten, bevor weitere Anpassungen vorgenommen werden. Gebäude reagieren träge auf Temperaturänderungen, besonders bei Fußbodenheizungen.
Die grundlegenden Anpassungsregeln sind: Ist die Raumtemperatur grundsätzlich zu niedrig, wird das Niveau erhöht. Ist es nur an besonders kalten Tagen zu kalt, wird die Neigung steiler eingestellt. Ist es in der Übergangszeit zu kalt, an sehr kalten Tagen aber ausreichend warm, sollte das Niveau erhöht und gleichzeitig die Neigung etwas flacher gestellt werden.
Was passiert bei falscher Einstellung?
Eine falsch eingestellte Heizkurve hat spürbare Folgen. Ist die Vorlauftemperatur dauerhaft zu hoch, verbraucht die Wärmepumpe unnötig viel Strom. Über die Lebensdauer der Wärmepumpe hinweg kann ich das auf mehrere tausend Euro summieren.
Ist die Heizkurve hingegen zu niedrig eingestellt, werden die Räume nicht richtig warm. Die Wärmepumpe läuft zwar effizient, aber der Wohnkomfort leidet. Im schlimmsten Fall können durch dauerhaft zu niedrige Raumtemperaturen auch Feuchtigkeitsprobleme und Schimmelbildung entstehen.






