Reversible Wärmepumpe: Ein System zum Heizen und Kühlen
Eine reversible Wärmepumpe ist eine Wärmepumpe, die nicht nur heizen, sondern auch kühlen kann. Damit ist sie die Voraussetzung für das Kühlen mit der Wärmepumpe und das Kühlen über eine Fußbodenheizung. Der große Vorteil: Statt zwei getrennte Anlagen für Wärme und Kälte zu installieren, übernimmt eine reversible Wärmepumpe beides. Das spart Platz, Geld und macht eine separate Klimaanlage überflüssig.
Das Wichtigste in 10 Sekunden:
- Heizen und Kühlen in einem: Eine reversible Wärmepumpe kehrt ihren Kreislauf um und kann dadurch beides.
- Technik dahinter: Ein Vierwegeventil dreht die Fließrichtung des Kältemittels – fertig ist die Kühlung.
- Nicht zu verwechseln mit der Inverter Wärmepumpe: Reversibel heißt „heizen und kühlen". Inverter heißt „Leistung stufenlos regeln".
- Günstige Kühlung: Im Sommer kühlt sie deutlich sparsamer als eine klassische Klimaanlage.
Was ist eine reversible Wärmepumpe?
Eine reversible Wärmepumpe ist ein Heizsystem, das seinen Kältekreislauf umkehren und somit nicht nur heizen, sondern auch kühlen kann. Im Heizbetrieb entzieht die Wärmepumpe der Umwelt Wärme und gibt sie an die Räume ab. Im Kühlbetrieb nimmt sie Wärme aus den Räumen auf und führt sie nach draußen ab.
Die Wärmepumpe ist damit das einzige Heizsystem, das nicht nur für wohlige Wärme, sondern auch für eine angenehme Kühlung sorgt. Und der praktische Vorteil liegt auf der Hand: ein System, zwei Funktionen und das ganze Jahr über ein angenehmes Raumklima.
Welche Wärmepumpen-Typen können reversibel arbeiten?
Grundsätzlich lässt sich jede Wärmepumpe reversibel betreiben. Bei der Kühlung gibt es allerdings Unterschiede:
- Die Luftwärmepumpe kann nur aktiv kühlen. Für eine passive Kühlung ist die Außenluft im Sommer zu warm.
- Die Erdwärmepumpe kann sowohl aktiv als auch passiv kühlen und ist dabei besonders sparsam. Im Erdreich herrschen immer konstante Temperaturen, wodurch die Wärmepumpe unabhängig von der Wetterlage arbeiten kann.
- Die Brauchwasser-Wärmepumpe kann ebenfalls dank des kühlen Grundwassers aktiv und passiv kühlen.
Wichtig: Ob ein konkretes Gerät kühlen kann, hängt natürlich vom Modell und dem Hersteller ab. Die meisten Wärmepumpen auf dem Markt sind aber mittlerweile reversibel.
Wie funktioniert eine reversible Wärmepumpe?
Das Herzstück der reversiblen Wärmepumpe ist das Vierwegeventil. Es steuert die Fließrichtung des Kältemittels und kann so den Heizprozess umdrehen.
So läuft der Kühlprozess genau ab:
- Umschalten: Das Vierwegeventil ändert die Fließrichtung des Kältemittels und tauscht die Rollen von Wärmequelle und Wärmesenke.
- Wärme aufnehmen: Die Anlage entzieht nun den Innenräumen über die Fußbodenheizung Wärme.
- Wärme transportieren: Das Kältemittel nimmt die Wärme auf und transportiert sie zur Wärmepumpe.
- Wärme abführen: Die Wärme wird nach außen abgegeben. Je nach Art der Wärmepumpe an die Luft, das Grundwasser oder ins Erdreich.
- Der Kreislauf schließt sich: Das abgekühlte Wasser fließt zurück in die Fläche und nimmt dort neue Wärme auf.
Reversibel ist nicht gleich Inverter
Die beiden Begriffe werden oft verwechselt, obwohl sie etwas völlig Verschiedenes meinen. Reversibel beschreibt die Funktion: Kann das Gerät heizen und kühlen? Also ist es in der Lage, seinen eigenen Kreislauf umzudrehen?
Inverter dagegen beschreibt die Leistungsregelung. Der Verdichter passt seine Drehzahl stufenlos an den Bedarf an, statt sich oft an- und auszuschalten. Moderne Geräte vereinen aber oft beide Funktionen.
Für wen ist eine reversible Wärmepumpe geeignet?
Die kurze Antwort: Eine reversible Wärmepumpe lohnt sich tatsächlich nicht in jedem Haus. Entscheidend sind die Voraussetzungen fürs Kühlen, denn das Heizen funktioniert überall gleich.
Gut geeignet ist eine reversible Wärmepumpe, wenn:
- Eine Flächenheizung (Fußbodenheizung, Wand- oder Deckenheizung) vorhanden ist
- Das System mit niedrigen Vorlauftemperaturen arbeiten kann
- Das Gebäude eine gute Dämmung hat
- ohnehin ein Heizungstausch geplant ist
Weniger geeignet ist eine reversible Wärmepumpe, wenn:
- nur klassische und ältere Heizkörper vorhanden sind
- das Gebäude von Grund auf schlecht gedämmt ist.
Als Faustregel gilt: Wer eine Fußbodenheizung hat oder plant, hat die beste Grundlage. Im Neubau ist das fast immer der Fall. Im Altbau lohnt sich vorab ein Blick auf Heizflächen und Dämmung.
Vor- und Nachteile einer reversiblen Wärmepumpe
Eine reversible Wärmepumpe bringt klare Stärken mit, hat aber auch ein paar Punkte, die man kennen sollte:
Vorteile | Nachteile |
|---|---|
Heizen und Kühlen mit nur einem System | Höhere Anschaffungskosten als eine reine Heizwärmepumpe |
Spart die Kosten für eine separate Klimaanlage | Kühlleistung geringer als bei einer echten Klimaanlage |
Sehr energiesparend, besonders bei passiver Kühlung | Flächenkühlung entfeuchtet die Luft kaum |
Sanfte, zugluftfreie Kühlung ohne Geräusche | Voraussetzungen nötig (Flächenheizung, Taupunktüberwachung) |
Ideal kombinierbar mit Photovoltaik | Nachrüsten oft teurer als gleich richtig kaufen |
Nutzt vorhandene Heizflächen – kein Zusatzgerät | Kühlung reagiert träge, nicht für spontane Extremkühlung |
Kritikpunkt Taupunkt und Luftentfeuchtung
Eine Flächenkühlung über den Boden entfeuchtet die Luft nahezu nicht. Der Grund liegt im sogenannten Taupunkt. Damit sich auf dem Boden kein Kondenswasser bildet, darf die Fläche nicht zu kalt werden.
Die Vorlauftemperatur bleibt deshalb bewusst über dem Taupunkt. Genau das verhindert aber die Entfeuchtung. Eine klassische Klimaanlage arbeitet mit viel kälteren Oberflächen, an denen die Luftfeuchtigkeit kondensiert und abfließt. Die Fußbodenkühlung tut das nicht. Stattdessen senkt sie die Temperatur aber nicht die Luftfeuchtigkeit.
Warum ist das wichtig?
Ob wir Menschen uns wohl fühlen, hängt nicht nur von der Temperatur, sondern auch von der Luftfeuchtigkeit ab. Feuchte Luft fühlt sich schwül und drückend an. Eine Klimaanlage senkt daher die Temperatur und entfeuchtet die Luft. Eine Wärmepumpe tut dies nicht. Mit ein paar Tipps kannst du aber auch beim Kühlen mit der Wärmepumpe schwüle Luft vermeiden:
- Nachts lüften: Die Nachtluft ist kühler und trockener als die Luft am Tag
- Sonnenschutz nutzen: Rolläden und Markisen halten die Sonne ab. Je weniger Wärme ins Haus kommt, desto weniger muss die Flächenkühlung dagegenarbeiten.
- Gebläsekonvektoren: Diese entfeuchten aktiv die Luft und können so bei Bedarf hinzugenommen werden.
Reversible Wärmepumpe und Photovoltaik
Eine reversible Wärmepumpe mit Photovoltaik ist eine ideale Kombination. Der Kühlbedarf ist im Sommer am höchsten und damit genau zu der Zeit, wenn auch die PV-Anlage am meisten Strom liefert.
Der selbst erzeugte Solarstrom vom Dach betreibt deine Kühlung damit quasi kostenfrei. Das senkt die Betriebskosten deutlich. Gleichzeitig steigt der Eigenverbrauch des Solarstroms, was die PV-Anlage wirtschaftlicher macht.
Kurz gesagt: Wer ohnehin eine PV-Anlage hat oder plant, holt aus der Kühlfunktion das Maximum heraus.
Was kostet eine reversible Wärmepumpe?
Unsere Luft-Wasser-Wärmepumpen sind mittlerweile alle ohne Aufpreis reversibel, da die Kühlleistung hier zum Standard geworden ist. Bei Erdwärmepumpen kannst du mit Mehrkosten von 10–15% rechnen.
Welche Förderungen gibt es?
Die reversible Funktion einer Wärmepumpe an sich wird nicht gefördert. Gefördert wird die Wärmepumpe als Heizsystem, was die Kühlfunktion in der Regel mit einschließt.
Lebensdauer einer reversiblen Wärmepumpe
Eine reversible Wärmepumpe hält im Schnitt etwa 15 - 20 Jahre, oft auch deutlich länger. Der Kühlbetrieb bremst die Lebensdauer einer Wärmepumpe nicht, da die Anlage hier nur mit geringer Auslastung arbeitet.
Viel entscheidender für den Verschleiß ist das häufige Takten, also ständiges An- und Ausschalten. Genau das verhindert die Inverter-Technik. Eine gut dimensionierte, modulierende Wärmepumpe wird durch das Kühlen also kaum stärker belastet. Regelmäßige Wartung verlängert die Lebensdauer zusätzlich.
Fazit
Eine reversible Wärmepumpe ist die clevere Ganzjahreslösung. Sie heizt umweltfreundlich im Winter und kühlt energiesparend im Sommer. Was will man mehr?

Autor: Thomas Lauterbach
Thomas Lauterbach ist Leiter der ait-Academy und Technischer Referent bei der ait-deutschland GmbH. Als Mechatroniker für Kältetechnik, Kälteanlagenbaumeister und Energieberater bringt er langjährige Praxiserfahrung aus Service, technischem Support und der Wärmepumpentechnik mit.









