So kühlst du deine Dachgeschosswohnung im Sommer
“36 Grad und es wird noch heißer…” Kein Songtext ist diesen Sommer wohl so nah an der Realität wie dieser. Deutschland schwitzt. Und das schon, bevor der eigentliche Hochsommer überhaupt beginnt. Bedingt durch den Klimawandel werden unsere Sommer immer heißer und die kuschelige Dachgeschosswohnung schnell zum Albtraum.
Um dir auch ohne Klimaanlage ein wenig Linderung zu verschaffen, hat dir unser Klimaexperte Thomas Lauterbach seine 20 besten Tipps zusammengeschrieben.

Das Wichtigste in 10 Sekunden
- Hitze draußen halten schlägt Runterkühlen: außenliegende Verschattung am Dachfenster ist der stärkste Hebel.
- Tagsüber die Fenster zu, nachts und früh querlüften.
- Sofort-Hacks wie feuchte Tücher, Ventilator und ausgeschaltete Geräte machen heiße Tage erträglich, senken die Raumtemperatur aber nur wenig.
- Wirklich dauerhaft kühlt nur eine Klimaanlage oder eine Wärmepumpe. Die Wärmepumpe heizt zusätzlich im Winter.
- Vorsicht bei Folien oder Decken direkt am Glas: Hitzestau kann zu Glasbruch führen.
Warum wird es im Dachgeschoss eigentlich so heiß?
Im Dachgeschoss kommen mehrere wärmende Effekte zusammen. Die Sonne scheint fast den ganzen Tag senkrecht auf das Dach, welches so von der vollen Wärmestrahlung getroffen wird. Gleichzeitig steigt die warme Luft aus dem gesamten Haus nach oben auf und sammelt sich unter dem Dach. Große Dachfenster bringen die Wärme direkt ins Zimmer.

Tipp 1: Verschattung mittels Rollläden oder Markisen
Außenliegender, fest verbauter Sonnenschutz ist das beste Mittel gegen das Aufheizen der Dachgeschosswohnung. Hitzeschutz-Markisen oder Außenrollläden halten die Sonne zuverlässig ab, bevor sie durchs Glas kommt.
Außenliegender Sonnenschutz vor innenliegendem Sonnenschutz
Außenliegender Sonnenschutz fängt die Sonnenstrahlen ab, bevor sie das Glas berühren. Trifft die Strahlung auf einen innenliegenden Vorhang, wird sie dort in Wärme umgewandelt, wodurch sich der Raum ebenfalls aufheizen kann.
Daher die Grundregel: Innenliegender Sonnenschutz ist natürlich immer besser als gar kein Sonnenschutz. Wenn die Möglichkeit einer Außenanbringung gegeben ist, sollte diese aber immer bevorzugt werden.
Tipp 2: Sonnenschutzfolie am Fenster anbringen
Wer keine fest verbauten Rollläden oder Markisen hat, kann auch auf eine UV-Sonnenschutzfolie zurückgreifen. Diese wird im besten Fall außen am Fenster angebracht, reflektiert einen Großteil der Sonnenenergie und senkt den Wärmeeintrag spürbar.
Tipp 3: Rettungsdecke als Notlösung nutzen
Sind baulicher Hitzeschutz oder Sonnenschutzfolie nicht vorhanden, kann im Notfall auch auf eine Rettungsdecke als DIY-Lösung zurückgegriffen werden. Mit der silbernen Seite nach außen befestigt, reflektiert die Decke ebenfalls die Sonneneinstrahlung.
Achtung: Die Rettungsdecke sollte nicht innen oder zu nah ans Glas angebracht werden. Sonst drohen Hitzestau und Glasbruch durch die thermische Spannung.
Tipp 4: Fenster tagsüber geschlossen halten
Dieser Tipp dürfte wohl den meisten geläufig sein. Bei großer Hitze macht Lüften über Tag wenig Sinn. Halte die Fenster also geschlossen, damit keine warme Luft in den Raum dringen kann.
Natürlich hängt hier auch viel von deinen Fenstern ab. Alte, einfach verglaste Fenster lassen im Winter viel Wärme raus und im Sommer viel Hitze rein, moderne Wärmeschutzverglasung hält in beide Richtungen deutlich besser dicht.
Tipp 5: Richtig lüften
Lüfte nur, wenn es draußen kühler ist als drinnen, also nachts und in den frühen Morgenstunden. Öffne dann gegenüberliegende Fenster für kräftigen Durchzug und nutze den Zug übers Treppenhaus.
Tipp 6: Das Dach dämmen lassen
Okay, wir geben es ja zu. Das Dach dämmen zu lassen ist jetzt keine Sofortmaßnahme aber in Anbetracht der immer heißer werdenden Sommer definitiv zu empfehlen. Denn eine gute Dachdämmung bremst die Hitze immer noch am besten aus.
Entscheidend dabei ist die Phasenverschiebung, also wie lange das Material die Wärme aufhalten kann. Schwere Dämmstoffe wie beispielsweise Holzfasern halten deutlich länger als leichte Mineralwolle.
Tipp 7: Mit Pflanzen und Begrünung kühlen
Pflanzen kühlen durch Verdunstung und Verschattung. Zimmerpflanzen können einen leichten positiven Effekt erreichen, an wirklich heißen Sommertagen ist das in einer Dachgeschosswohnung aber wahrscheinlich kaum spürbar.
Den größeren Effekt bringt eine Begrünung von außen. Fassadenbegrünungen wirken genauso wie der Rollladen an deinem Fenster. Sie halten die Sonneneinstrahlung von der Fassade fern und vermindern so das Aufheizen.
Tipp 8: Elektrogeräte und Standby ausschalten
Jedes laufende Elektrogerät gibt Wärme ab. Wenn du Computer, Fernseher und sonstige Geräte inklusive des Stand-by-Modus konsequent ausschaltest, senkst du den Wärmeeintrag und sparst nebenbei auch noch Strom.
Tipp 9: Kochen und Backen an Hitzetagen vermeiden
Herd und Backofen können die Dachgeschosswohnung schnell noch mehr aufheizen. Setze an besonders heißen Tagen daher auf kalte Küche, leichte Speisen oder Essen bestellen. Du kannst das Kochen auch in die späten Abendstunden verlegen und für den nächsten Tag vorkochen.
Tipp 10: Nachts die Innentüren offen lassen
Lass nachts die Innentüren offen, damit sich die kühlere Nachtluft frei in der Wohnung verteilt. So staut sich die Wärme nicht in einzelnen Räumen.
Tipp 11: Ventilatoren klug einsetzen
Ein Ventilator senkt zwar nicht aktiv die Raumtemperatur, kühlt aber über die Verdunstung deine Haut und macht Hitze so erträglicher. Nachts hilft er zudem beim Luftaustausch, wenn du ihn mit der Rückseite vor ein offenes Fenster stellst.
Tipp 12: Ventilator mit Eiswasser kombinieren
Eine Schüssel mit Eiswürfeln oder ein nasses Tuch vor dem Ventilator kühlen den Luftstrom zusätzlich ab. Dieser Effekt ist allerdings nur von kurzer Dauer und erhöht zudem die Luftfeuchtigkeit im Raum. Langfristig wirkt die Hitze dadurch nur noch drückender und auf Dauer kann sich sogar Schimmel bilden. Für die kurzfristige Abkühlung oder das Einschlafen am Abend ist der Tipp aber gut geeignet.
Tipp 13: Feuchte Tücher aufhängen
Eine Schüssel mit Eiswürfeln oder ein nasses Tuch vor dem Ventilator kühlen den Luftstrom zusätzlich ab. Dieser Effekt ist allerdings nur von kurzer Dauer und erhöht zudem die Luftfeuchtigkeit im Raum. Langfristig wirkt die Hitze dadurch nur noch drückender und auf Dauer kann sich sogar Schimmel bilden. Für die kurzfristige Abkühlung oder das Einschlafen am Abend ist der Tipp aber gut geeignet.
Tipp 14: Mit einem Luftentfeuchter die Schwüle nehmen
Feuchtwarme Luft fühlt sich deutlich wärmer und drückender an, als trockene. Das liegt daran, dass der Schweiß auf der Haut schlechter verdunstet. Ein Luftentfeuchter kann zwar die Temperatur nicht senken, aber das generelle Klima deutlich angenehmer machen.
Tipp 15: Wärmeflasche zur Kühlflasche umfunktionieren
Füll eine Wärmflasche mit Wasser und kühl sie im Kühlschrank, dann wird sie zum Kühlakku fürs Bett. Fülle sie nicht randvoll und leg sie nicht ins Gefrierfach, sonst kann sie durch die Ausdehnung platzen.
Tipp 16: Kühldecke oder Kühlkissen nutzen
Spezielle Kühlbettwäsche leitet die Körperwärme ab und hilft dir, in heißen Nächten weniger zu schwitzen und besser zu schlafen.
Tipp 17: Bettwäsche und Kleidung aus Leinen wählen
Leinen ist luftig, nimmt Feuchtigkeit gut auf und fühlt sich kühl an. Bettwäsche und Kleidung aus Leinen oder leichter Baumwolle machen heiße Nächte und Tage angenehmer.
Tipp 18: Den Körper direkt kühlen
Manchmal ist es einfacher, sich selbst zu kühlen als den Raum. Eine kühle Dusche, ein Wasserbottich für die Füße und ausreichend trinken.
Tipp 19: Teppiche im Sommer entfernen
Dicke Teppiche speichern Wärme. Wenn du sie im Sommer einlagerst, bleibt der Boden darunter kühler und der Raum insgesamt angenehmer.
Tipp 20: Ausweichen
Wenn die Hitze im Dachgeschoss gar nicht mehr auszuhalten ist, ist es völlig in Ordnung, der Hitze auszuweichen und mal bei Eltern oder Freunden oder für eine Nacht im Hotel zu schlafen. Anhaltende Hitze vor allem nachts kann die Gesundheit belasten.
Kühlen mit einer Klimaanlage
Eine Klimaanlage ist die schnellste und effektivste Lösung, das Dachgeschoss zu kühlen. Ein mobiles Monoblock-Gerät ist schnell aufgestellt, aber lauter und schwächer. Ein fest installiertes Splitgerät kühlt stärker und leiser, braucht aber ein Außengerät und einen Wanddurchbruch, in Mietwohnungen also die Zustimmung des Vermieters.
Der Nachteil: hoher Stromverbrauch und trockene, zugige Luft.
👉 Welche Möglichkeiten es sonst noch gibt, liest du im Ratgeber Alternativen zur Klimaanlage.
Kühlen mit der Wärmepumpe
Wer ohnehin über eine neue Heizung nachdenkt, bekommt die Kühlung praktisch geschenkt. Eine reversible Wärmepumpe heizt im Winter und kühlt im Sommer sanft über die Flächenheizung, und das viel sparsamer als eine Klimaanlage. Und selbst wenn der Platz knapp ist, lässt sich eine kompakte Innen-Wärmepumpe wie die Paros von alpha innotec sogar auf dem Dachboden aufstellen.
👉 Wie das Kühlen genau funktioniert, zeigt dir der Ratgeber Kühlen mit der Wärmepumpe.
Diese Wärmepumpen können kühlen:
Fazit
Gegen Hitze im Dachgeschoss hilft vor allem, die Sonne draußen zu halten und clever zu lüften. Kurzfristige Tricks wie feuchte Tücher, ein Ventilator und ein kühles Bett machen die heißesten Tage erträglich. Wer dauerhaft angenehme Temperaturen will, kommt aber um ein System mit Kältekreislauf nicht herum.

Autor: Thomas Lauterbach
Thomas Lauterbach ist Leiter der ait-Academy und Technischer Referent bei der ait-deutschland GmbH. Als Mechatroniker für Kältetechnik, Kälteanlagenbaumeister und Energieberater bringt er langjährige Praxiserfahrung aus Service, technischem Support und der Wärmepumpentechnik mit.









