Start Ratgeber Wärmepumpen Glossar Hydraulischer Abgleich

Der hydraulische Abgleich

Der hydraulische Abgleich ist ein Verfahren zur optimalen Verteilung des Heizwassers in einem Heizsystem. Ziel ist es, allen Heizflächen genau die Wassermenge zuzuführen, die sie für ihre jeweilige Heizlast benötigen. Dadurch arbeiten Wärmeerzeuger, Regelung und Heizflächen effizient zusammen. Ungleichverteilungen, Über- oder Unterversorgung einzelner Räume werden vermieden.

Verschiedene Studien sind zudem zum Ergebnis gekommen, dass der hydraulische Abgleich hilft, einiges an Energie einzusparen. So spricht eine Studie der ITG Dresden¹ von einem jährlichen Einsparpotenzial zwischen 2,5 kWh und 16,0 kwH Wärmeenergie pro Quadratmeter. Die Ostfalia-Hochschule² geht in ihren Untersuchungen von 10 kwH jährlichen Einsparungen bei der Heizenergie aus.

Der hydraulische Abgleich kurz erklärt

  • Optimiert die Wärmeverteilung im gesamten Gebäude
  • Senkt Energieverbrauch und Betriebskosten
  • Voraussetzung für effizienten Wärmepumpenbetrieb
  • Häufig verpflichtend bei Fördermaßnahmen

Die Bedeutung im Heizsystem

In Heizsystemen ohne hydraulischen Abgleich fließt das Heizwasser bevorzugt durch nahe oder hydraulisch günstige Heizkörper. Entfernte oder ungünstig angebundene Heizflächen erhalten zu wenig Wärme. Dies führt zu erhöhten Vorlauftemperaturen, ineffizientem Betrieb und unnötig hohen Strom- oder Brennstoffverbräuchen.

Gerade im Zusammenspiel mit der Funktionsweise einer Wärmepumpe ist ein hydraulisch korrekt eingestelltes System entscheidend, da Wärmepumpen auf stabile Volumenströme und geringe Temperaturspreizungen angewiesen sind

Die Bedeutung für eine Wärmepumpe

„Der hydraulische Abgleich ist kein Feintuning, sondern die physikalische Grundlage für einen stabilen und effizienten Wärmepumpenbetrieb.“

Marion Kirchner, Installateur- und Heizungsbaumeisterin; Vertriebsleiterin alpha innotec Bayern

Wärmepumpen reagieren besonders sensibel auf hydraulische Fehlverteilungen. Ohne hydraulischen Abgleich kann es zu häufigem Takten, erhöhtem Stromverbrauch und einer deutlich reduzierten Jahresarbeitszahl kommen. Dies betrifft vor allem die Fälle, in denen eine Wärmepumpe mit Heizkörpern betrieben werden soll.

Der Hydraulische Abgleich

Technischer Hintergrund

Heizwasser folgt physikalisch dem Weg des geringsten Widerstands. In nicht abgeglichenen Systemen werden nahe gelegene Heizflächen überversorgt, weiter entfernte Heizflächen unterversorgt. Der hydraulische Abgleich berechnet für jede Heizfläche den erforderlichen Volumenstrom auf Basis der Heizlast und stellt diesen über voreinstellbare Thermostatventile, Strangregulierventile oder Durchflussbegrenzer ein.

Grundlagen sind unter anderem:

  • Heizlast des Raums
  • Auslegungstemperaturen
  • Rohrleitungswiderstände
  • Pumpenkennlinien

Die korrekte Einstellung reduziert unnötige Druckverluste und ermöglicht den Betrieb mit geringerer Pumpenleistung.

Wie funktioniert der hydraulische Abgleich?

Der hydraulische Abgleich erfolgt in mehreren Schritten:

  1. Ermittlung der Raum- und Heizlasten
  2. Berechnung der erforderlichen Volumenströme je Heizfläche
  3. Einstellung der Ventile oder Durchflussregler
  4. Anpassung der Pumpenleistung
  5. Kontrolle und Dokumentation

ⓘ alpha innotec Tipp

Besonders wichtig ist der hydraulische Abgleich, wenn eine Wärmepumpe im Altbau in Kombination mit vorhandenen Heizkörpern effizient genutzt werden soll.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Der hydraulische Abgleich ist normativ verankert. Die DIN EN 14336 beschreibt ihn als Bestandteil der ordnungsgemäßen Inbetriebnahme von Warmwasser-Heizungsanlagen. Darüber hinaus fordert das Gebäudeenergiegesetz (GEG) im Rahmen bestimmter Maßnahmen zur Heizungsoptimierung ausdrücklich einen hydraulischen Abgleich (§ 60c GEG)

Auch bei diversen Förderungen für Wärmepumpen ist der Nachweis eines hydraulischen Abgleichs regelmäßig Voraussetzung.

Quellennachweise

¹ Ostfalia - Hochschule für angewandte Wissenschaften Institut für Energieoptimierte Systeme Labor für Heizungstechnik. (2014). Effizienz und Erneuerbare Energien: Akzeptanz- und Motivationskampagne - Hydraulischer Abgleich. In https://www.delta-q.de/wp-content/uploads/PtJ_HA-Kampagne_Abschlussbericht_Ostfalia.pdf.

² Mailach, B., Emmrich, F., Oschatz, B., Schinke, L., & Seifert, J. (o. J.). Energetische Einsparpotentiale und wirtschaftliche Bewertung des hydraulischen Abgleiches für Anlagen der Gebäudeenergietechnik [Forschungsbericht, ITG Dresden].