Primärenergiebedarf
Der Primärenergiebedarf beschreibt die gesamte Energiemenge, die nötig ist, um ein Gebäude mit Heizung, Warmwasser, Lüftung und Kühlung zu versorgen – einschließlich aller vorgelagerten Schritte. Dazu zählen also auch Energieaufwand und Verluste bei Rohstoffgewinnung, Verarbeitung, Umwandlung und Transport eines Energieträgers.
Damit geht der Primärenergiebedarf weiter als der Endenergiebedarf. Dieser zeigt nur, wie viel Energie im Gebäude tatsächlich verbraucht wird. Der Primärenergiebedarf berücksichtigt zusätzlich den „Energie-Rucksack“ des Energieträgers. Genau deshalb ist er ein zentraler Maßstab für Energieeffizienz und Klimawirkung eines Gebäudes und ein wichtiger Kennwert im Energieausweis. Grundlage ist die Formel: Endenergiebedarf × Primärenergiefaktor. Angegeben wird der Wert in kWh pro Quadratmeter und Jahr.
Primärenergiebedarf kurz erklärt
- Gesamtenergieaufwand von Rohstoffgewinnung bis Verbrauch im Gebäude.
- Berechnung: Endenergiebedarf × Primärenergiefaktor des Energieträgers.
- GEG 2024: max. 55% des Referenzgebäudes für Neubauten, absolute Grenze ~40 kWh/m²a.
- PEF-Faktoren: Erdgas/Öl 1,1 (fossil), Holz 1,2, Strom 1,8, PV/Wärmepumpe 0,0 (erneuerbar).
- Maßstab für Ökobilanz: niedriger = klimafreundlicher.
Wo liegt der Unterschied zwischen dem Endenergiebedarf und dem Primärenergiebedarf?
Der Endenergiebedarf beschreibt die Energiemenge, die im Gebäude tatsächlich benötigt wird aber unabhängig vom Energieträger. Er hängt vor allem von Dämmung, Fenstern, Bauweise und Heiztechnik ab.
Der Primärenergiebedarf geht einen Schritt weiter: Er bewertet zusätzlich, wie viel Energie aufgewendet werden musste, damit diese Energie überhaupt im Gebäude ankommt. Deshalb fällt der Wert je nach Energieträger unterschiedlich aus.
Kurz gesagt:
- Endenergiebedarf = Verbrauch im Gebäude
- Primärenergiebedarf = Verbrauch plus vorgelagerter Energieaufwand
Primärenergiefaktoren nach Energieträger
Der Primärenergiefaktor ist der Multiplikator für die Berechnung. Er zeigt, wie hoch der vorgelagerte Energieaufwand eines Energieträgers ist.
Energieträger | Primärenergiefaktor |
Erdgas, Heizöl, Flüssiggas, Kohle | 1,1 |
Holzpellets | 1,2 |
Netzstrom | 1,8 |
Solarstrom (PV, vor Ort genutzt) | 0,0 |
Umweltwärme aus Wärmepumpe | 0,0 |
Fernwärme erneuerbar | 0,0–0,7 |
Beim Strom ist der Faktor in den letzten Jahren bereits gesunken (früher 2,4), weil der Anteil erneuerbarer Energien im Strommix steigt.
Wie wird der Primärenergiebedarf berechnet?
Der Primärenergiebedarf ergibt sich aus dem tatsächlichen Energiebedarf des Gebäudes und dem Primärenergiefaktor des eingesetzten Energieträgers. Der Faktor berücksichtigt die vorgelagerten Prozessketten wie Förderung, Umwandlung und Transport.
ⓘ Formel:
Primärenergiebedarf = Endenergiebedarf × Primärenergiefaktor
Kurz erklärt:
- Endenergiebedarf = Energie, die im Gebäude für Heizung, Warmwasser, Lüftung und Kühlung benötigt wird
- Primärenergiefaktor = Bewertungsfaktor des Energieträgers (z. B. Gas, Strom, Holz, PV)
- Ergebnis = gesamter Energieaufwand inklusive Vorkette
- Einheit: kWh pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a)
Beispielrechnung
Endenergiebedarf: 100 kWh/m²a
Erdgas (Primärenergiefaktor 1,1)
→ 100 × 1,1 = 110 kWh/m²a Primärenergiebedarf
Wärmepumpe mit JAZ 4
→ Strombedarf: 25 kWh/m²a
→ Netzstrom (Primärenergiefaktor 1,8)
→ 25 × 1,8 = 45 kWh/m²a Primärenergiebedarf
Wärmepumpe mit selbst erzeugtem Solarstrom (Faktor 0,0)
→ 25 × 0,0 = 0 kWh/m²a Primärenergiebedarf
Wie beeinflusst die Wärmepumpe den Primärenergiebedarf?
Eine Wärmepumpe senkt den Primärenergiebedarf deutlich, weil sie den größten Teil der benötigten Wärme nicht aus einem Brennstoff erzeugt, sondern aus kostenloser Umweltenergie (Luft, Erdreich oder Wasser) gewinnt. Nur ein vergleichsweise kleiner Anteil kommt aus elektrischer Antriebsenergie. In die Primärenergieberechnung fließt deshalb nur der Stromanteil ein und die genutzte Umweltwärme wird mit dem Faktor 0,0 bewertet.






