Erfahrungsbericht: Nachbarschafts-Wärmepumpe im Reihenhausquartier (kaltes Nahwärmenetz)
In einer Reihenhaussiedlung aus dem Jahr 1993 stand eine wichtige Entscheidung an: Die rund 30 Jahre alten Gasheizungen mussten ersetzt werden. Gleichzeitig war ein Anschluss an ein Fernwärmenetz nicht absehbar.
Die Bewohner suchten deshalb nach einer langfristigen Alternative – und fanden eine ungewöhnliche Lösung: eine gemeinsame Wärmepumpenlösung mit kaltem Nahwärmenetz, bei der sich mehrere Häuser eine Wärmequelle teilen.
Heute versorgt ein System aus Grundwasserbrunnen und Wärmepumpen insgesamt 15 Reihenhäuser effizient mit Wärme – und sogar mit Kühlung.
Einer der Initiatoren des Projekts erzählt, wie die Idee entstanden ist, wie das System funktioniert und warum sich die Entscheidung bereits nach wenigen Jahren rechnet.
Die wichtigsten Fakten zum Projekt
Kategorie | Details |
Gebäudetyp | Reihenhaussiedlung |
Baujahr | 1993 |
Hausanzahl | 20 |
Haushalte im Wärmenetz | 15 |
Heizsystem vorher | Gasheizungen |
Heizlast | ca. 4,7 kW |
Heizflächen | Fußbodenheizung |
Wärmepumpentyp | Wasser-Wasser-Wärmepumpen (Grundwasser) |
Investition pro Haushalt | ca. 33.000€ nach Förderung |
Energieverbrauch vorher | zwischen 1200 - 1600€ pro Haushalt |
Energieverbrauch heute | ca. 500€ pro Haushalt |
Ort | München |
Fachbetrieb |

Nikolaus Plesnila (Reihenhaus-Eigentümer) ist restlos vom Erfolg des Projektes begeistert:
„Manchmal komme ich mir vor, als ob ich in einer Scheinwelt leben würde. Man macht den Fernseher an und alle schimpfen auf die Wärmepumpe – und bei uns funktioniert das System perfekt.“
- Dr. Nikolaus Plesnila
Warum musstet ihr eure Heizungen überhaupt ersetzen?
Unsere Reihenhaus stammt aus dem Jahr 1993. Die Heizung war inzwischen rund 30 Jahre alt und es handelte sich um klassische Gasheizkessel. Ersatzteile wurden immer schwieriger zu bekommen, sodass klar war, dass wir früher oder später eine neue Lösung brauchen würden.
Gleichzeitig war ein Anschluss an Fernwärme für unsere Wohnanlage nicht in Sicht. Deshalb mussten wir uns selbst überlegen, welche Heiztechnik für uns langfristig funktionieren könnte.

Wie seid ihr auf die Idee mit der Wärmepumpe gekommen?
Ich habe mich zunächst bei der Verbraucherzentrale beraten lassen. Dort kam relativ schnell der Hinweis, dass unser Haus eigentlich sehr gut für Wärmepumpen geeignet sind.
Der Grund ist die vorhandene Fußbodenheizung. Sie arbeitet mit niedrigen Temperaturen und passt deshalb ideal zu Wärmepumpensystemen.
Wir haben dann geprüft, ob eine klassische Luftwärmepumpe möglich wäre. Aufgrund der baulichen Situation in unserer Reihenhaussiedlung war das jedoch schwierig umzusetzen.
Deshalb sind wir schließlich auf die Idee gekommen, Grundwasser als Wärmequelle zu nutzen.
Infobox: Grundwasser als Wärmequelle? Vor- und Nachteile
Vorteile | Nachteile |
Sehr hohe Effizienz durch konstante Grundwassertemperatur | Hohe Investitionskosten für Brunnenbohrungen |
Niedrige Betriebskosten | Genehmigungspflicht und behördliche Auflagen |
Sehr leiser Betrieb ohne Außeneinheit | Nur bei geeigneter Wasserqualität und -menge möglich |
Ganzjährig stabile Heizleistung, unabhängig von Außentemperaturen |
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Oft auch zur Kühlung nutzbar |
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Wie wurde daraus ein gemeinsames Wärmepumpensystem für mehrere Häuser?
Bei der Planung habe ich relativ schnell gemerkt, dass eine Brunnenbohrung für eine einzelne Wärmepumpe ziemlich teuer ist. Also habe ich einfach meine Nachbarn gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, bei so einem Projekt mitzumachen.
Am Ende haben sich insgesamt 18 Haushalte interessiert gezeigt. 15 davon haben schließlich tatsächlich eine Wärmepumpe installiert. Heute gehört das Netz den beteiligten Haushalten gemeinsam. Dadurch konnten wir die Kosten für die Brunnen und die Infrastruktur auf mehrere Häuser verteilen.
Wie funktioniert das kalte Nahwärmenetz in eurer Wohnanlage?
Die Anlage basiert auf drei Entnahmebrunnen. Aus diesen Brunnen wird Grundwasser gefördert, das ganzjährig etwa 10 °C Temperatur hat. Dieses Wasser wird über einen Wärmetauscher geführt. Dabei gibt es seine Wärme an eine Solelösung ab.
Die Sole wird anschließend über ein kaltes Nahwärmenetz zu den einzelnen Häusern transportiert.In jedem Haus steht eine eigene Wärmepumpe. Diese nutzt die Energie aus der Sole und erhöht die Temperatur mithilfe von Strom auf knapp unter 30 °C.Die Wärme wird dann über die vorhandene Fußbodenheizung im Haus verteilt.
Was ist hier noch besonders?
Zudem wurden drei Brunnen statt nur einem gebohrt, da die Zuwege für nur einen Brunnen schwierig zu errichten waren. Nun werden die Brunnen über einen Regler gesteuert und wechseln sich ab. Somit hat das System eine sehr hohe Betriebssicherheit, da bei Ausfall einer Pumpe immer eine andere übernimmt.

Die verwendeten Wärmepumpen
Wie kam der Kontakt zu alpha innotec zustande?
Ich habe verschiedene Wärmepumpenhersteller im Internet recherchiert und angeschrieben.
Der erste, der sich gemeldet hat, war Herr Wimmer von alpha innotec. Er hat sich unsere Situation angeschaut und relativ schnell eine Idee entwickelt, wie man das Projekt technisch umsetzen kann.
Gerade bei einem Konzept mit mehreren Häusern und einem gemeinsamen Netz ist die Planung besonders wichtig.

Wie kam der Kontakt zu alpha innotec zustande?
Der Unterschied ist wirklich deutlich.
Während der Gaskrise hätten wir etwa 2.500 Euro im Jahr für Gas bezahlen müssen. In normalen Jahren lagen unsere Kosten bei etwa 1.200 bis 1.600 Euro.
Heute liegen wir ungefähr bei 500 Euro pro Jahr.
Wenn die Förderung vollständig ausgezahlt ist, werden wir auf etwa 33.000 Euro Investition pro Haushalt kommen.
Mit den Einsparungen amortisiert sich das System im Vergleich zu einer neuen Gasheizung in etwa siebeneinhalb Jahren.
Kann eure Wärmepumpe auch kühlen?
Ja – und das ist ein zusätzlicher Vorteil.
Unsere Wärmepumpe verfügt auch über eine Kühlfunktion. Gerade im Sommer merkt man das deutlich. Selbst bei sehr hohen Außentemperaturen haben wir im Haus etwa 21 bis 22 Grad. Das sorgt dafür, dass wir praktisch das ganze Jahr über ein sehr angenehmes Raumklima haben.
Würdest du dich wieder für diese Lösung entscheiden?
Auf jeden Fall. Man hört ja häufig Kritik an Wärmepumpen. Unsere Erfahrung ist jedoch eine ganz andere.
Das System funktioniert zuverlässig, effizient und wir müssen uns im Alltag kaum darum kümmern.
Manchmal denke ich mir sogar: Wenn man sieht, wie gut es funktioniert – warum macht man das nicht viel öfter so?
Fazit: Wärmepumpe im Quartier funktioniert
Das Projekt zeigt, dass Wärmepumpen nicht nur für einzelne Gebäude geeignet sind.
Gerade in dicht bebauten Wohngebieten kann ein kaltes Nahwärmenetz mit gemeinsamer Wärmequelle eine sehr interessante Lösung sein.
Mehrere Häuser teilen sich dabei Brunnen oder Erdsonden – und jede Wohnung nutzt eine eigene Wärmepumpe zur Wärmeerzeugung.
Das Ergebnis:
- niedrige Betriebskosten
- hohe Effizienz
- langfristige Unabhängigkeit von fossilen Energien










