Fernwärme
Als Fernwärme wird die zentrale Erzeugung und Verteilung von Wärme über ein gedämmtes Rohrleitungssystem an angeschlossene Gebäude bezeichnet. Im Gegensatz zu dezentralen Heizsystemen besitzt das einzelne Gebäude keine eigene Heizanlage. Die Wärme wird in zentralen Anlagen erzeugt und in Form von heißem Wasser oder Dampf über unterirdische Rohrleitungen zu den Gebäuden transportiert. Dort wird sie über eine Übergabestation an das hausinterne Heiz- und Warmwassersystem abgegeben.
Fernwärme ist vor allem in dicht besiedelten Gebieten verbreitet und spielt eine wichtige Rolle in der kommunalen Wärmeplanung sowie bei der langfristigen Umstellung auf eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2045.
Fernwärme kurz erklärt
- Zentrale Wärmeerzeugung mit Transport über gedämmte Rohrleitungen.
- Keine eigene Heizanlage im Gebäude, nur Übergabestation nötig.
- 3.800 Netze in Deutschland versorgen 14% der Haushalte.
- Betrieb meist mit Kraft-Wärme-Kopplung, aktuell 20-22% erneuerbare Energien.
- Bis 2045: vollständige Klimaneutralität gesetzlich vorgeschrieben.
Woraus besteht ein Fernwärmesystem?
Ein Fernwärmesystem besteht aus mehreren zentralen Komponenten. Die Wärme wird in Heizkraftwerken oder Blockheizkraftwerken erzeugt, häufig nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. Dabei entstehen gleichzeitig Strom und nutzbare Wärme, wobei die Abwärme der Stromerzeugung für Heizzwecke genutzt wird.
Wie funktioniert Fernwärme?
Die erzeugte Wärme wird über ein hochisoliertes Rohrleitungsnetz, das sogenannte Primärnetz, zu den angeschlossenen Gebäuden transportiert.
Am Gebäude gelangt die Wärme über eine Hausanschlussleitung zur Fernwärmeübergabestation. Diese überträgt die Wärme mithilfe von Wärmetauschern auf das Heiz- und Warmwassersystem des Gebäudes, ohne dass sich die Kreisläufe vermischen. Das abgekühlte Wasser fließt anschließend zurück zur Erzeugungsanlage und wird dort erneut erhitzt.
Fernwärme und Kraft-Wärme-Kopplung
Bei der Kraft-Wärme-Kopplung wird die bei der Stromerzeugung entstehende Abwärme nicht ungenutzt abgeführt, sondern für die Wärmeversorgung genutzt. Motoren oder Turbinen treiben Generatoren an, während Wärmetauscher die Abwärme in das Fernwärmenetz einspeisen.
Je nach Betriebsweise richtet sich die Anlage nach dem aktuellen Wärmebedarf, dem Strombedarf oder einer Kombination aus beidem. Große Wärmespeicher ermöglichen es, Erzeugung und Verbrauch zeitlich zu entkoppeln..
Energieträger und Dekarbonisierung
Derzeit wird Fernwärme in Deutschland überwiegend aus Erdgas, erneuerbaren Energien und Kohle erzeugt. Der Anteil erneuerbarer Energien soll in den kommenden Jahren schrittweise steigen. Gesetzliche Vorgaben schreiben vor, dass die Wärmeerzeugung bis 2045 vollständig aus erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme stammen muss.
Betreiber von Wärmenetzen sind verpflichtet, dafür konkrete Dekarbonisierungsfahrpläne zu erstellen. Auch Kommunen müssen im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung festlegen, welche Gebiete künftig mit Fernwärme versorgt werden sollen.
Vor- und Nachteile der Fernwärme
Vorteile:
● Keine eigene Heizanlage notwendig
● Geringer Wartungsaufwand im Gebäude
● Platzersparnis, da kein Heizkessel oder Brennstofflager benötigt wird
● Komfortable Wärmeversorgung
● Zentrale Umstellung auf erneuerbare Energien möglich
Nachteile
● Abhängigkeit vom jeweiligen Versorger
● Keine kurzfristige Anbieterwahl möglich
● Teilweise lange Vertragslaufzeiten
● Wärmeverluste beim Transport
● Verfügbarkeit auf Anschlussgebiete begrenzt






