Eine Wärmepumpe für den Altbau? Lohnt sich viel öfter als du denkst!

Im Neubau ist die Wärmepumpe als fossilfreie und umweltfreundliche Alternative zu Gasheizung und Ölheizung bereits angekommen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden Wärmepumpen bereits in 50,6 Prozent der im Jahr 2021 fertiggestellten Wohngebäude als primäre Heizung eingebaut. Doch auch bei der energetischen Modernisierung von Altbauten wird die Wärmepumpe dank neuer, leistungsfähiger Technologien eine immer größere Rolle spielen. In diesem Ratgeber geben wir dir eine Übersicht über den Stand der Technik und erklären dir, wann das Nachrüsten einer Wärmepumpe im Bestand wirtschaftlich und energetisch sinnvoll ist.

Stand: 20.01.2024

Die Voraussetzungen für eine Wärmepumpe im Altbau

Eine grundsätzliche Aussage, ob du deine alte Ölheizung oder Gasheizung im Altbau gegen eine Wärmepumpe tauschen kannst, lässt sich ohne weitere Informationen nicht treffen. Entscheidend ist nicht das Alter deines Gebäudes, sondern die Qualität der Dämmung von Fenstern, Türen, Fassaden und Dach sowie der Zustand des bestehenden Heizsystems. Bei niedriger Heizlast kannst du auch deinen Altbau effizient mit einer Wärmepumpe heizen – idealerweise verbunden mit einer sinnvollen Sanierung der Gebäudehülle. Eine erste „Eignungsanalyse Wärmepumpe“ kannst du online auf der Seite des BMWK durchführen.

Welche Vorteile bringt die Wärmepumpe im Altbau?

  • Wärmepumpen beziehen rund drei Viertel ihrer Energie aus der Umwelt. Wird auch noch der Strom für den Betrieb des Kompressors regenerativ erzeugt, z.B. über Photovoltaik auf dem Dach, investierst du in eine klimafreundliche, ressourcenschonende Wärmequelle.
  • Mit einer Wärmepumpe machst du dich unabhängig von fossilen Brennstoffen. Kleiner Pluspunkt am Rande: Dein Heizsystem verursacht keine Emissionen mehr durch die Verbrennung und du sparst die Kosten für den Schornsteinfeger.
  • Mit einer Wärmepumpe machst du dich unabhängig von steigenden Heizkosten und Preisen für den Betrieb von Ölheizungen und Gasheizungen.
  • Mit einer Wärmepumpe setzt du auf ein zukunftssicheres Heizsystem, das alle gesetzlichen Vorgaben im Hinblick auf die Nutzung erneuerbarer Energien als Wärmequelle erfüllt.
  • Der Staat fördert die energetische Sanierung im Altbau. So kannst du dir für das Nachrüsten einer Wärmepumpe Zuschüsse von bis zu 70 % sichern (Stand Januar 2024).
  • Die Wärmepumpe ist nicht nur gut für Klima und Umwelt, sie steigert auch nachhaltig den Immobilienwert. Denn durch den Einsatz eines modernen und energieeffizienten Heizsystems, idealerweise in Kombination mit einer Solaranlage oder Solarthermie, verbessert sich auch der Gebäudeenergieausweis der Immobilie.

Welche Vorlauftemperaturen benötigt die Wärmepumpe im Altbau?

Eine Feldstudie des Freiburger Fraunhofer ISE, die auch von der ait Group unterstützt wurde, lieferte auf diese Frage eine überraschende Antwort: Nicht so hoch wie gedacht.

Die Höhe der Vorlauftemperatur, also die Temperatur, mit der das Heizwasser aus dem Wärmeerzeuger der Heizung in die Heizkörper fließt, ist entscheidend für die Effizienz jeder Heizung – je nach Heizungsauslegung. Je tiefer die Außentemperaturen, desto höher muss die Vorlauftemperatur sein, sprich, desto mehr Energie wird benötigt, um ein Gebäude zu erwärmen. In unseren Breiten sind aber Tage mit Temperaturen von minus 10 Grad Celsius und tiefer eher die Ausnahme.

Laut oben genannter Studie betrugen die maximal zur Raumheizung erforderlichen Vorlauftemperaturen in Bestandsgebäuden im Mittel nur knapp 44 Grad Celsius. Auch der Stromverbrauch durch den Heizstab, der bei extrem kaltem Wetter die Heizleistung (gemessen in kWh) sicherstellt, fiel über das Jahr betrachtet kaum ins Gewicht. Da der größte Teil der am Markt erhältlichen Wärmepumpen für Vorlauftemperaturen unter 55 Grad Celsius ausgelegt ist, stehen die Chancen also sehr gut, dass du eine Wärmepumpe in deinem Haus nachrüsten kannst.

Welche Heizkörper eignen sich für Wärmepumpen im Altbau?

Flächenheizungen verfügen über größere Oberflächen zur Wärmeübertragung, entsprechend niedriger ist die Vorlauftemperatur, die nötig ist, um die Räume zu beheizen. Daher sind Fußbodenheizungen, aber auch Wand- und Deckenheizungen ideal für den effizienten Betrieb einer Wärmepumpe. Da sie die Wärme überwiegend über Strahlung abgeben, wird das Raumklima meist als besonders angenehm empfunden und die Raumtemperatur kann niedriger einstellt werden.

Viele Bestandsbauten sind bereits mit sogenannten Plattenheizkörpern ausgestattet. Sie bestehen aus mehreren, hintereinander angeordneten Hohlkörpern, die vom Heizungswasser durchströmt werden. In vielen Fällen sind dazwischen Konvektionsbleche angeordnet, die die Heizflächen erhöhen. Da auch Plattenheizkörper einen Großteil der Wärmeenergie über Strahlung abgeben, sind sie – vorausgesetzt, sie wurden entsprechend groß dimensioniert – effizienter als die klassischen Rippenheizkörper und können daher in vielen Fällen zusammen mit einer Wärmepumpe betrieben werden.

Rippenheizkörper, auch als Gliederheizkörper bekannt, bestehen aus mehreren, vom Heizwasser durchflossenen Rippen. Sie heizen überwiegend die Raumluft und geben nur einen geringen Anteil Wärmestrahlung ab. Um eine angenehme Raumtemperatur zu erzeugen, benötigen sie aufgrund ihrer geringen Oberfläche hohe Vorlauftemperaturen bis 70° Celsius und damit mehr Energie.

Ob der Austausch deiner alten Heizkörper gegen eine Flächenheizung im Altbau möglich und wirtschaftlich ist, hängt von deinem Gebäude ab und sollte von einem Heizungsbauer beurteilt werden. Generell ist die Marktentwicklung bei Heizkörpern im Moment äußerst dynamisch. So sind Wand- und Deckenheizungen als komplettes Trockenbausystem mit Dämmung erhältlich und erhöhen signifikant die Effizienz der Heizung. Für die nachträgliche Installation einer Fußbodenheizung gibt es spezielle Produkte mit niedriger Aufbauhöhe. Alternativ kannst du über die Anschaffung von Niedrigtemperatur-Heizkörpern, die speziell für niedrige Vorlauftemperaturen und damit für den Betrieb mit Wärmepumpen entwickelt wurden, nachdenken.

Mit einem einfachen Test kannst du herausfinden, ob sich deine bestehenden Heizkörper mit einer Wärmepumpe betreiben lassen. Senke an einem sehr kalten Tag die Vorlauftemperatur auf 50 Grad Celsius ab. Je nachdem, ob die Heizleistung ausreicht, solltest du mit deinem Heizungsbauer über die Installation einer Wärmepumpe mit oder ohne Austausch der Heizkörper sprechen.

Welche Wärmepumpen für den Altbau?

Die Wahl der richtigen Wärmepumpe im Rahmen der Sanierung richtet sich nach der Heizleistung, der Effizienz, ausgedrückt in der prognostizierten JAZ (Jahresarbeitszahl), und nicht zuletzt nach dem vorhandenen Platz. So muss für die Installation einer Sole/Wasser-Wärmepumpe oder einer Grundwasserwärmepumpe das Erdreich aufgegraben werden. Die Installation einer Luft/Wasser-Wärmepumpe ist hingegen wesentlich unkomplizierter und die Aufstellung sowie der Transport sind mit geeigneten Wärmepumpen auch bei beengtem Platz möglich.

Planst du die Sanierung deines Altbaus schrittweise, ist auch eine Hybridheizung denkbar. Dabei nutzt du den größten Teil des Jahres eine Wärmepumpe für die Erzeugung von Heizwärme und Warmwasser und hast deine konventionelle, mit Öl oder Gas betriebene Heizung als Backup.

Speziell für nicht optimal gedämmte Altbauten gibt es mittlerweile Hochtemperatur-Wärmepumpen wie die Luft/Wasser-Wärmepumpe HYBROX von alpha innotec, die an das bestehende Heizsystem angebunden werden können. Sie können bei ausgezeichnetem Wirkungsgrad mit Vorlauftemperaturen von 70 Grad Celsius betrieben werden und sind für eine Heizleistung bis 8 kW bei niedrigen Außentemperaturen ausgelegt. Zusätzlich können sie bei Bedarf in den aktiven Kühlbetrieb umschalten. Da sie mit dem natürlichen Kältemittel R 290 (Propan) arbeiten, sind sie zugleich klimaschonend und leistungsstark.