Du willst dein Dach von innen dämmen, ohne die Ziegel anzufassen. Das geht sogar im Altbau und auch nachträglich. Wir zeigen dir, wie du dein Dach innen Schritt für Schritt selbst dämmen kannst.

 

Kurz erklärt: Dach dämmen von innen

Du entfernst die Innenverkleidung, dämmst den Raum zwischen den Sparren, verlegst eine Dampfbremse und setzt darunter eine zweite Dämmschicht. Die Dacheindeckung bleibt unberührt. Sinnvoll ist das nur, wenn du das Dachgeschoss beheizt und bewohnst.

Wann ist eine Dachdämmung von innen sinnvoll?

Eine Dachdämmung von innen lohnt sich immer dann, wenn du das Dachgeschoss fest als Wohnraum nutzt oder vorhast, dies in Zukunft zu tun. Ist der Dachboden unbeheizt und dient nur als Lagerraum, dämmst du besser nur die oberste Geschossdecke. Das ist die Decke zwischen dem kalten Dachraum und dem beheizten Stockwerk darunter.

Dafür gibt es drei Gründe:

  • Weniger Fläche: Die Dachfläche ist je nach Neigung 30 bis 40 % größer als die Geschossdecke. Mehr Fläche heißt mehr Arbeit und mehr Wärmeverlust.
  • Weniger Aufwand: Die Decke zu dämmen ist deutlich einfacher und kostet nur einen Bruchteil.
  • Keine Giebelwände: Dämmst du die Dachschrägen, gehören bei einem Satteldach auch die Giebelwände zur beheizten Hülle. Sind sie ungedämmt, steigen die Verluste weiter.


Kann man ein altes Dach nachträglich von innen dämmen?

Ja, du kannst dein Dach im Altbau auch nachträglich von innen dämmen. Am besten funktioniert das, wenn das Dachgeschoss gerade leer steht. Aber auch im bewohnten Zustand geht es, wenn du raumweise vorgehst. Im Altbau entscheidet vor allem der Zustand der vorhandenen Schichten, wie viel du zurückbauen musst.

 

Zwischensparrendämmung und Untersparrendämmung: der Unterschied

Bei der Zwischensparrendämmung sitzt der Dämmstoff in den Feldern zwischen den Dachsparren. Bei der Untersparrendämmung dagegen liegt eine zusätzliche Schicht raumseitig unter den Sparren. Für die Dachdämmung von innen kombiniert man am besten beide Methoden.

Unser Tipp: Die Kombination aus beiden Dämmarten ist durchaus aufwendiger, aber nach unserer Erfahrung die deutlich bessere Wahl, denn Holz leitet die Wärme besser als der Dämmstoff. Bleiben die Sparren von unten frei, sind schnell 10 bis 15 % der Dachfläche ungedämmt.


Zwischensparrendämmung

Untersparrendämmung

Lage

zwischen den Sparren

unter den Sparren, zum Raum hin

Aufgabe

Hauptdämmschicht

überdämmt die Sparren, ergänzt die Dämmdicke

Dicke

richtet sich nach der Sparrenhöhe

mindestens 5 cm empfohlen

Raumverlust

keiner

einige Zentimeter Raumhöhe

Schwäche allein

Sparren bleiben Wärmebrücken

bauphysikalisch heikel, wenn der Aufbau dahinter unbekannt ist

Das richtige Material: Dämmstoffe und Folien

Für die Dachdämmung von innen brauchst du einen Dämmstoff in Mattenform und zwei verschiedene Folien: eine außen und eine innen. Für außen benötigst du eine Unterdeckbahn. Sie liegt zwischen der Dämmung und den Ziegeln und schützt vor Witterung. Die Dampfbremse liegt innen raumseitig unter den Sparren und macht das Dach luftdicht.

Welcher Dämmstoff eignet sich?

Zwischen den Sparren haben sich flexible Matten bewährt, sogenannte Klemmfilze oder Dämmkeile. Sie klemmen sich von selbst im Sparrenfeld fest.

Dämmstoff

Eigenschaften

Mineralwolle (Glas- oder Steinwolle)

günstig, nicht brennbar, leicht zu verarbeiten

Hanf

ökologisch, angenehm zu verarbeiten

Holzfaser

ökologisch, guter Hitzeschutz im Sommer

Zellulose (Einblasdämmung)

füllt Hohlräume fugenlos, nur mit Einblasmaschine

Dach von innen dämmen: Anleitung in 8 Schritten

Der neue Aufbau entsteht in mehreren Schichten von außen nach innen:

  1. Unterdeckbahn
  2. Zwischensparrendämmung
  3. Dampfbremse
  4. Untersparrendämmung
  5. Verkleidung


Das brauchst du an Werkzeug:

  • Zollstock, Bleistift und ein langes Dämmstoffmesser, für Holzfaser eine Dämmstoffsäge
  • Akkuschrauber, Handtacker, Cuttermesser
  • Brecheisen und Hammer für den Rückbau
  • Systemklebeband und Dichtkleber passend zur Dampfbremse
  • Handschuhe, Schutzbrille, Atemschutzmaske (FFP2) und langärmlige Kleidung

 

Die Anleitung im Video

Schritt 1: Innenverkleidung entfernen

Entferne die Innenkonstruktion samt Unterkonstruktion (Gipskarton, Holzpaneele etc.). Danach schaust Du frei auf die Sparren und den Raum dazwischen. Dort siehst Du entweder direkt die Ziegel, eine Unterdeckbahn oder eine vorhandene Dämmschicht.

Schritt 2: Bestand prüfen

Prüfe, ob bereits eine Dämmung vorhanden ist. Falls ja, muss diese nämlich nicht zwingend raus. Du kannst sie weiterverwenden, wenn zwei Dinge stimmen:

  1. Die Dämmung ist unbeschädigt, trocken und füllt das Sparrenfeld lückenlos aus.
  2. Dahinter liegt eine intakte Unterdeckbahn als Winddichtung.

Fehlt die Winddichtung, spült kalte Außenluft den Dämmstoff ständig durch und die Dämmwirkung sinkt deutlich. Dann entfernst Du die Dämmung und baust alles neu auf.

Schritt 3: Alte Folie prüfen und entfernen

Prüfe, welche Art von Unterdeckbahn in deinem Dach liegt. Bis in die 1990er-Jahre wurden nämlich gerne Gitternetzfolien aus PE verbaut. Sie werden durch Sonnenlicht häufig brüchig und lassen keinen Wasserdampf durch. Findest du eine solche Folie, solltest du sie nicht mehr weiterverwenden, sondern mit 2 -3 cm Abstand zum Sparren herausschneiden. Eine moderne, dampfoffene Unterdeckbahn in gutem Zustand darf bleiben.

Schritt 4: Neue Unterdeckbahn einbauen

Musst du eine neue Unterdeckbahn einbauen, gehst du Sparrenfeld für Sparrenfeld wie folgt vor:

  1. Befestige in der Mitte des Sparrenfelds eine Dachlatte. Sie sorgt dafür, dass die Folie mittig einen Knick nach unten bekommt.
  2. Beginne oben am First und arbeite dich nach unten vor.
  3. Befestige die Folie seitlich an den Sparren und fixiere sie mit einer Anpresslatte.
  4. Führe die Folie bis ganz nach unten, möglichst bis in die Regenrinne.

Durch den Knick läuft eindringendes Regenwasser oder Flugschnee von den Sparren weg zur Feldmitte und von dort in die Rinne. So bleibt das Holz trocken.

 

Schritt 5: Zwischen den Sparren dämmen

Besonders im Altbau sind die Abstände zwischen den Sparrenfeldern selten gleich. Miss also die lichte Breite jedes einzelnen Feldes einzeln und schneide den Klemmfilz 1 bis 2 cm breiter als das Feld. So klemmt er fest und es entstehen keine Fugen.

Drücke die Matten vollflächig ein, ohne sie zu stauchen. Bei einer dampfoffenen Unterdeckbahn darf der Dämmstoff die Bahn berühren. Einen Luftspalt brauchst Du nicht.

Alternative Einblasdämmung: Bei Zellulose ändert sich die Reihenfolge. Erst kommt die Dampfbremse samt Lattung an die Sparren, dann bläst ein Fachbetrieb den Dämmstoff in den Hohlraum.

Schritt 6: Dampfbremse luftdicht verlegen

Die Dampfbremse ist der wichtigste Schritt, denn sie entscheidet über die Luftdichtheit. Verlege die Bahnen quer zu den Sparren und hefte sie mit dem Tacker an. Die Bahnen sollten sich etwa 10 cm überlappen. Verklebe jede Überlappung und jede Tackerstelle mit dem Systemklebeband.

Schließe die Folie anschließend an alles an, was an die Dachfläche grenzt oder sie durchdringt:

  • Innen- und Außenwände, Giebel und Fußboden
  • Dachfenster und Bodentreppe
  • Rohre, Kabel, Lüftungsleitungen und Schornstein

Für raue Flächen wie Mauerwerk empfehlen wir Dichtkleber aus der Kartusche anstelle des normalen Klebers. Dieser sollte allerdings vom gleichen Hersteller sein wie die Folie und die Klebebänder, denn die Produkte sind meist aufeinander abgestimmt.

Geht die Dachschräge oben in eine Decke über, die sogenannte Kehlbalkenlage, ziehst Du die Dampfbremse am besten gleich über die ganze Decke weiter. Das gilt vor allem, wenn die Decke nicht verputzt ist.

Schritt 7: Unter den Sparren dämmen

Im Schritt Nummer 7 folgt die zweite Dämmschicht. Hierfür hast du zwei Möglichkeiten:

  • Kreuzlattung: Schraube die Latten quer zu den Sparren, also im rechten Winkel. So berührt das Holz die Sparren nur an wenigen Kreuzungspunkten. In die Zwischenräume legst du Dämmmatten. Vorteil: Die Ebene lässt sich für Elektro- und Wasserleitungen nutzen, ohne die Dampfbremse zu durchlöchern.
  • Durchgehende Dämmplatte: Du schraubst eine Dämmplatte direkt unter die Sparren und verputzt oder verkleidest sie später. Die Dämmschicht ist dann vollflächig, für Leitungen bleibt aber kein Platz.

Als Aufbauhöhe empfehlen wir mindestens 5 cm.

Schritt 8: Dach von innen verkleiden

Im letzten Step montierst du die neue Innenverkleidung auf der Lattung. Achte darauf, dass keine Schraube die Dampfbremse dahinter trifft. Danach spachtelst und streichst du wie gewohnt.

Was kostet es, das Dach von innen zu dämmen?

Mit einem Fachbetrieb kostet eine Zwischensparrendämmung meist zwischen 60 und 120 Euro pro Quadratmeter. Für eine Untersparrendämmung kannst du zusätzlich etwa 30 bis 80 Euro pro Quadratmeter rechnen.

Posten

Richtwert pro m²

Zwischensparrendämmung mit Fachbetrieb

60 bis 120 €

Untersparrendämmung mit Fachbetrieb

30 bis 80 €

Nur Dämmstoff in Eigenleistung, je Lage

15 bis 30 €

Welche Förderungen gibt es für die Dachdämmung?

Der Staat fördert die Dachdämmung über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Nach aktuellem Stand gilt:

  • Zuschuss: 15 % der förderfähigen Kosten, bis 30.000 € pro Wohneinheit. Mit individuellem Sanierungsfahrplan (iSFP) steigt die Grenze auf 60.000 €.
  • iSFP-Bonus: Seit dem 21. Juli 2026 gibt es die zusätzlichen 5 % nur noch auf den Kostenanteil über 30.000 €. Bei einer reinen Dachdämmung von innen greift er also meist nicht.
  • Technische Hürde: Das Dach muss nach der Sanierung einen U-Wert von höchstens 0,14 W/(m²K) erreichen. Der U-Wert gibt an, wie viel Wärme ein Bauteil durchlässt. Dafür brauchst Du je nach Dämmstoff rund 25 cm Dämmung oder mehr. Von innen ist das nicht in jedem Dach machbar.
  • Ablauf: Du stellst den Antrag vor Beginn der Arbeiten und brauchst eine Energieeffizienz-Expertin oder einen Energieeffizienz-Experten.
  • Eigenleistung: Die Materialkosten sind förderfähig, wenn die Fachperson die korrekte Ausführung bestätigt. Deine Arbeitszeit wird nicht bezuschusst.

Dachdämmung und Wärmepumpe

Ein gut gedämmtes Dach ist super wichtig für den effizienten Betrieb einer Wärmepumpe. Die Heizung muss weniger leisten, wenn weniger Wärme nach außen und weniger Kälte nach innen strömen können. Dann kommt sie mit niedrigeren Vorlauftemperaturen aus, braucht weniger Strom und arbeitet deutlich effizienter.

Planst du ohnehin einen Heizungstausch, lohnt sich die Reihenfolge: erst dämmen, dann die Wärmepumpe auslegen lassen.

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